Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde

Aber nach vie­len Jahr­mil­lio­nen war der Mensch end­lich klug genug.
Er sprach: „Wer redet hier von Gott? Ich neh­me mei­ne Zukunft selbst in die Hand.“

Er nahm sie,
und es began­nen die letz­ten sie­ben Tage der Erde…


Am Morgen des ersten Tages

beschloss der Mensch,
frei zu sein und gut, schön und glück­lich.
Nicht mehr Eben­bild eines Got­tes,
son­dern ein Mensch.
Und weil er etwas glau­ben muss­te,
glaub­te er an die Frei­heit und das Glück,
an die Bör­se und an den Fort­schritt,
an die Pla­nung und an sei­ne Sicher­heit.
Denn zu sei­ner Sicher­heit
hat­te er den Grund zu sei­nen Füßen gefüllt
mit Rake­ten und Atom­spreng­köp­fen…


Am zweiten Tage der letzten Zeit

star­ben die Fische in den Indus­trie­ge­wäs­sern,
die Vögel am Pul­ver aus der che­mi­schen Fabrik,
das den Rau­pen bestimmt war,
die Feld­ha­sen an den Blei­wol­ken von der Stra­ße,
die Schoß­hun­de an der schö­nen roten Far­be
in der Wurst.
Die Herin­ge im öl auf dem Meer
und an dem Müll auf dem Grun­de des Oze­ans.
Denn der Müll war aktiv…


Am dritten Tage

ver­dorr­ten das Gras auf den Fel­dern
und das Laub auf den Bäu­men,
das Moos an den Fel­sen
und die Blu­men in den Gär­ten.
Denn der Mensch mach­te das Wet­ter selbst
und ver­teil­te den Regen nach genau­em Plan.
Es war nur ein klei­ner Feh­ler
in dem Rech­ner, der den Regen ver­teil­te.
Als sie den Feh­ler fan­den,
lagen die Last­käh­ne auf dem tro­cke­nen Grund
des schö­nen Rheins…


Am vierten Tage

gin­gen drei von vier Mil­li­ar­den Men­schen zugrun­de.
Die einen an den Krank­hei­ten
die der Mensch gezüch­tet hat­te,
denn einer hat­te ver­ges­sen, die Behäl­ter zu schlie­ßen,
die für den nächs­ten Krieg bereit­stan­den.
Und Ihre Medi­ka­men­te hal­fen nichts.
Die hat­ten schon zu lan­ge wir­ken müs­sen
in Haut­cremes und Schwei­ne­lend­chen.
Die ande­ren star­ben an Hun­ger,
weil etli­che von Ihnen den Schlüs­sel
zu den Getrei­de­si­los ver­steckt hat­ten.
Und sie fluch­ten Gott,
der ihnen das Glück schul­dig war.
Es war doch der lie­be Gott…


Am fünften Tage

drück­ten die letz­ten Men­schen den roten Knopf,
denn sie fühl­ten sich bedroht.
Feu­er hüll­te den Erd­ball ein,
die Ber­ge brann­ten, und die Mee­re ver­dampf­ten,
und die Beton­ske­let­te in den Städ­ten
stan­den schwarz und rauch­ten.
Und die Engel im Him­mel sahen,
wie der blaue Pla­net rot wur­de,
dann schmut­zig braun und schließ­lich asch­grau.
Und sie unter­bra­chen ihren Gesang für zehn Minu­ten…


Am sechsten Tage

ging das Licht aus.
Staub und Asche ver­hüll­ten die Son­ne,
den Mond und die Ster­ne.
Und die letz­te Küchen­scha­be,
die in einem Rake­ten­bun­ker über­lebt hat­te,
ging zugrun­de an der über­mä­ßi­gen Wär­me,
die ihr gar nicht gut bekam…


Am siebten Tage

war Ruhe.
End­lich.
Die Erde war wüst und leer,
und es war fins­ter über den Ris­sen und Spal­ten,
die in der tro­cke­nen Erd­rin­de
auf­ge­sprun­gen waren.
Und der Geist des Men­schen
irr­lich­ter­te als Toten­ge­spenst über dem Cha­os.
Tief unten
in der Höl­le aber
erzähl­te man sich die span­nen­de Geschich­te
von dem Men­schen,
der sei­ne Zukunft in die Hand nahm,
und das Geläch­ter dröhn­te hin­auf
bis zu den Chö­ren der Engel…